Gulag und Genossen - Das Unrecht in der DDR nicht verharmlosen

Der Zeitzeuge Günther Rehbein liest an den weiterführenden Schulen in Landstuhl

25 Jahre ist es her, dass die Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland gefallen ist. Ein denkwürdiges Jubiläum, um sich mit der Aufarbeitung der deutschen Geschichte zu befassen.

Dazu luden die St. Katharina Realschule, das Sickingen Gymnasium sowie die IGS Am Nanstein Günther Rehbein zu einer Zeitzeugenbegegnung und Autorenlesung in ihre Schulen ein.

Rehbein, geboren 1933 im thüringischen Gera ist es ein Anliegen jungen Menschen vom DDR-Unrecht zu erzählen. Trotz seiner 82 Jahre bereist er immer noch die gesamte Bundesrepublik, um Vorträge zu halten und gegen das Vergessen anzukämpfen.

So berichtet er mitreißend von seinen Erlebnissen: 1952 wird er vom Arbeitsplatz weg verhaftet, weil er die Reparationszahlungen der DDR an die UdSSR kritisiert. Ihm werden Verbrechen zur Last gelegt, die er niemals begangen hat. Anfangs durchschaut er das System noch nicht und glaubt an eine Verwechslung. Mit einem selbst gedrehten Film führt er den Schülerinnen und Schülern anschaulich vor Augen, was er damals erlebt hat. In vielen Gesichtern sieht man Fassungslosigkeit über das, was direkt nach dem Nationalsozialismus wieder in einem Teil Deutschlands geschieht.

Im Gefängnis Berlin-Karlshorst wird er von russischen Sicherheitskräften bedroht und gefoltert, bis er unter Androhung der Erschießung seiner Familie ein Geständnis unterschreibt, das ihn für 45 Jahre nach Sibirien bringen soll. Im Gulag Workuta erlebt er Zwangsarbeit unter unmenschlichsten Bedingungen. Kälte, Unterernährung und die Grausamkeit der Aufseher fordern unzählige Todesopfer. Die Parole Stalins, dass ein Menschenleben nichts zähle, wird brutal umgesetzt, um das vorgegebene Soll beim Abbau von Kohle zu erreichen. Kraft gibt ihm nur die Hoffnung seine Familie irgendwann wieder zu sehen und die Kameradschaft unter den deutschen Gefangenen. 1955 erreicht Bundeskanzler Konrad Adenauer die Freilassung zehntausender Insassen aus den russischen Lagern. Rehbeins Dankbarkeit ist in diesem Moment geradezu greifbar. Adenauer habe ihm das Leben gerettet. Er kehrt heim und entscheidet sich für ein Leben in der DDR, weil er seine Großeltern nicht alleine lassen möchte. Seine Frau hat im Glauben, er sei längst gestorben, wieder geheiratet, die zum Zeitpunkt seiner Verhaftung noch ungeborene Tochter zur Adoption freigegeben. Und die Schikanen hören nicht auf. Die Stasi überwacht in minutiös und bis ins Intimste, ihm wird die Arbeitserlaubnis als Maler entzogen, seinen Sohn darf er nicht sehen, da er nicht fähig sei ihn zu einer "sozialistischen Persönlichkeit" zu erziehen.

Ein Schüler fragt, wie er den Mauerfall erlebt hat. Rehbein zögert und antwortet dann, ihm fehlten jegliche Worte diesen Moment zu beschreiben. Erst nach dem Mauerfall habe er sich als freier Mensch gefühlt. So kam es auch zu dem, wie er es selbst nennt, "schönsten Tag seines Lebens". Seine Tochter macht ihn ausfindig und nach 56 Jahren halten sie sich zum ersten Mal in den Armen. Gerade diese Episode fesselt die Schülerinnen und Schüler, weil sie zeigt, wie das Regime in der DDR Lebensträume Einzelner oder sogar ganzer Familien zerstörte. Rehbein erhält Einblick in seine Verhör- und Stasiakten und wird vollständig rehabilitiert. "Doch die Jahre kann einem das nicht zurückgeben", resümiert er.

Am Ende seines packenden Vortrags appelliert er nochmals eindringlich an seine jungen Zuhörer. Das Unrecht in der DDR dürfe nicht verharmlost werden, die Schülerinnen und Schüler seien die Zukunft dieses Landes und dafür mitverantwortlich, dass so etwas nie wieder passieren dürfe.

Viele Jugendliche nutzen dann auch die Gelegenheit noch ein persönliches Wort mit Günther Rehbein zu sprechen und sich Fragen beantworten zu lassen. Einige erstehen auch sein Buch und lassen es sich von ihm signieren.