Impressionen von der Aufführung "Die Welle 2.0 - das Update"

"Der Besuch der alten Dame" mit neuem Leben erfüllt

Am Freitagabend führte die Wahlpflichtfachgruppe Darstellendes Spiel der IGS Am Nanstein ihre ganz eigene Interpretation des Dramas von Friedrich Dürrenmatt auf. Der Stoff aus dem Jahr 1956 wurde dafür von den Schülerinnen und Schülern gekonnt auf die heutige Zeit angepasst sodass die Brisanz der ursprünglichen Thematik sogar noch betont wurde. Ist Gerechtigkeit käuflich? Wie wirkt sich Korruption auf die Menschen aus? Welche Rollen spielen dabei die Medien? Diesen Fragen gingen die jungen Schauspieler mit einer beeindruckenden Tiefe nach. Kulisse, Requisiten und weite Teile der Dialoge wurden in Eigenregie erstellt.

Die IT-Firma "FD-Technology" steht kurz vor der Insolvenz. Die Aufträge bleiben aus und das Geld fehlt, um notwendige Investitionen zu tätigen. Fr. Kurz, die Geschäftsführerin, möchte eigentlich die Übergabe an ihren Nachfolger und langjährigen Mitarbeiter Tom Wilinger abtreten. Da trifft die Nachricht vom Besuch von Liz Kapoor ein, einer ehemaligen Mitarbeiterin, die nun zur erfolgreichen Geschäftsfrau aufgestiegen ist. Sie unterbreitet den Angestellten ein unerhörtes Angebot: Nach dem Aufkauf der Firma will sie 1 Milliarde Euro investieren und das Gehalt jedes Beschäftigten um 400% erhöhen. Allerdings stellt sie dafür eine Bedingung. Tom Willinger muss sterben. Die Entrüstung unter den Versammelten ist groß. Man lebe schließlich in Europa und eine solche Forderung sei unmoralisch. Liz Kapoor antwortet darauf mit dem Grund für ihre Racheabsichten und berichtet, was ihr in der Firma als junges Mädchen widerfahren ist. Tom und sie waren damals ein Paar. Als sie jedoch die Idee für eine innovative Software hat, strickt er eine Intrige gegen sie, um sich selbst den Ruhm zu sichern. Liz muss die Firma nach einem gescheiterten Gerichtsverfahren, das Tom mit gekauften Zeugen gewonnen hat, verlassen und gerät ihres guten Rufs beraubt auf die schiefe Bahn. Jetzt ist sie milliardenschwere Unternehmerin und will sich angesichts des verjährten Unrechts ihre "Gerechtigkeit kaufen".

Trotz der spontanen Ablehnung der Mitarbeiter steigt der Druck auf Tom. Verschiedene Abteilungen fordern Neuanschaffungen und er gibt als Leiter der Finanzabteilung nach. Frau Kapooor nistet sich in der Firma ein. Nach und nach verändern die Beschäftigten ihren Lebensstil. Immer teurere Lifestyle-Produkte steigern den Wohlstand der Belegschaft. Ein Neubau für die Firma ist in Planung. Tom ahnt, was vorgeht und bekommt es mit der Angst zu tun: "Keiner will mich töten. Aber jeder hofft, dass es einer tut!" Parallel dazu kauft Liz Kapoor weitere Firmen auf und veröffentlicht ein neues Computerspiel, in dem ein schwarzer Panther gejagt und erlegt werden muss. Tom wird es zuviel und er will nach Australien auswandern, verpasst aber im letzten Moment sein Taxi, weil ihm die Nerven versagen. Und Liz wird immer ungeduldiger. Sie entzieht der Firma die finanzielle Unterstützung, um weiteren Druck zu erzeugen: "Diese Firma für einen Mord!"

Von Anfang an begleitet eine Bloggerin das Geschehen. Sehr deutlich tritt hier zu Tage, wie sehr deren Außensicht auf das Geschehen nur ein Zerrbild des wirklichen Zustands in der Firma wiedergibt.

Es wird eine Betriebsversammlung einberufen, um über Tom Willingers Schicksal zu entscheiden. Die Angestellten betonen, dass es ihnen nicht ums Geld gehe, sondern um Gerechtigkeit. So rechtfertigen sie ihren Entschluss Liz' Forderungen am Ende doch nachzugeben. Getarnt wird das Vorhaben als Errichtung einer Stiftung, damit die Bloggerin den wahren Hintergrund des Treffens nicht erkennen kann. Sie verlässt in einer Pause den Raum und als sie wiederkommt, liegt Tom Willinger tot am Boden. "Tod durch Freude!" als Reaktion auf das großzügige Angebot von Liz Kapoor kann man später in ihrem Blog lesen.

Das Publikum sparte am Ende der Vorstellung nicht mit Applaus. Die Direktorin, Frau Wagner-Gödtel, überreichte nicht nur allen Mitwirkenden ein kleines Zeichen der Anerkennung, sondern sprach auch einen ausdrücklichen Dank an Frau Isabelle Rau aus, die die Schülerinnen und Schüler bei der Arbeit mit dem Stück so hervorragend angeleitet hatte.